{"id":382,"date":"2019-08-21T15:54:07","date_gmt":"2019-08-21T13:54:07","guid":{"rendered":"http:\/\/ugl-muenchhausen.de\/?p=382"},"modified":"2021-02-21T05:58:55","modified_gmt":"2021-02-21T04:58:55","slug":"zur-aktuellen-diskussion-ueber-windkraft-in-muenchhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ugl-muenchhausen.de\/?p=382","title":{"rendered":"Zur aktuellen Diskussion \u00fcber Windkraft in M\u00fcnchhausen"},"content":{"rendered":"<p>Windkraftanlagen sind immer dann ein Thema, wenn sie \u201evor der Haust\u00fcr\u201c im engeren Umfeld errichtet werden sollen. Leider wird die Diskussion dar\u00fcber sehr oft unsachlich und ohne die Einordnung in einen Gesamtzusammenhang gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Unstrittig ist, dass wir Strom (grunds\u00e4tzlich Energie) ben\u00f6tigen: f\u00fcr den eigenen Haushalt, f\u00fcr die Infrastruktur der Gemeinde, f\u00fcr die Mobilit\u00e4t (Elektroautos), f\u00fcr Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie. Gegen alle derzeit in gr\u00f6\u00dferem Stil nutzbaren Energietr\u00e4ger und Stromquellen gibt es nachvollziehbare Kritik: Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger f\u00fcr Heizung, Mobilit\u00e4t und Stromerzeugung verbietet sich, da die Vorkommen endlich sind und die F\u00f6rderung und Verbrennung die Umwelt belastet. Nutzung der Kernenergie verbietet sich aus Sicherheitsgr\u00fcnden und Umweltbelastung durch Radioaktivit\u00e4t und Abw\u00e4rme. Nutzung der Windkraft verbietet sich wegen der Eingriffe in die Natur, die Beeintr\u00e4chtigung der Wohnqualit\u00e4t der Anwohner und ungekl\u00e4rter Risiken f\u00fcr Gesundheit und Umwelt. Nutzung von Photovoltaikanlagen verbietet sich, da die Rohstoffgewinnung f\u00fcr die Solarelemente unter nicht menschenw\u00fcrdigen Bedingungen und die Produktion in China erfolgt, sowie die Entsorgung am Ende der Lebensdauer nicht gekl\u00e4rt ist. Weitere effektive Biogasanlagen erfordern Biomasse, die in Monokulturen auf bisherigen fruchtbaren Ackerfl\u00e4chen wachsen muss. Neue Staud\u00e4mme zur Nutzung der Wasserkraft m\u00f6chte auch niemand.<\/p>\n<p>Also was? Egal wo der Strom herkommt \u2013 Hauptsache nicht von vor meiner Haust\u00fcr? Das ist ein Dilemma, das wir nicht auf kommunaler Ebene l\u00f6sen k\u00f6nnen \u2013 das hat gr\u00f6\u00dfere Dimensionen.<\/p>\n<p>Hier fehlt nach wie vor ein nachhaltiges Gesamtkonzept f\u00fcr Deutschland, ja f\u00fcr Europa. Die Priorit\u00e4ten sind falsch gesetzt: Energie, die wir nicht verbrauchen, muss nicht produziert werden. Dieser Punkt m\u00fcsste auf Platz 1 stehen. \u00dcbersch\u00fcssige Energie muss gespeichert werden k\u00f6nnen. Hier gibt es viele Ideen, aber so recht keinen Fortschritt, da man damit aktuell kein Geld verdienen kann. Energie sollte m\u00f6glichst nahe dem Verbraucher erzeugt werden. Windstrom aus der Nordsee nach Bayern zu transportieren kann nicht die L\u00f6sung sein. Hierzu gab es schon 2012 \u201e<a href=\"https:\/\/ugl-muenchhausen.de\/?m=201210\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gedanken zur Energiewende<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Da diese Problematik nicht kurzfristig l\u00f6sbar ist \u2013 insbesondere nicht bei den derzeit verantwortlich Regierenden \u2013 m\u00fcssen wir mit Kompromissen leben. Dabei k\u00f6nnen wir nicht nur lokal, sondern m\u00fcssen gesamtgesellschaftlich denken. Wir wollen in M\u00fcnchhausen vom Land Hessen als strukturschwache Region gef\u00f6rdert werden. Wir wollen auch etwas von den Gewinnen in Frankfurt und Eschborn abhaben. Andererseits k\u00f6nnen Frankfurt und Eschborn kaum ihren Energiebedarf auf eigener Fl\u00e4che generieren. Man ist darauf angewiesen, Energie aus dem Umland zu beziehen. Das hei\u00dft aber auch, dass wir mehr Energie produzieren m\u00fcssen, als wir selbst verbrauchen. Auch ein weiterer Aspekt ist relevant: M\u00fcnchhausen als finanzschwache Gemeinde wird ohne die Einnahmen aus Windkraft und Photovoltaik langfristig immer wieder Probleme haben, den Haushalt auszugleichen.<\/p>\n<p>Ziel der UGL war dabei schon immer, L\u00f6sungen zu finden, die im Interesse der Gemeinde liegen. Schon im Wahlprogramm 2001 stehen wir f\u00fcr \u201eWindkraft an unproblematischen Standorten\u201c. Der Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende soll unsere Landschaft nicht zerst\u00f6ren, auf m\u00f6glichst breite Akzeptanz der B\u00fcrger sto\u00dfen und vielleicht auch noch einen finanziellen Gewinn f\u00fcr B\u00fcrger und Gemeinde abwerfen (siehe <a href=\"https:\/\/ugl-muenchhausen.de\/?page_id=104\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag zur \u201eWindkraft in M\u00fcnchhausen\u201c<\/a> aus 2016). Dabei sind die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten der Gemeinde begrenzt. Auf den im aktuell g\u00fcltigen Regionalplan Mittelhessen ausgewiesenen Vorranggebieten (<a href=\"https:\/\/ugl-muenchhausen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Teilregionalplan-Energie-M\u00fcnchhausen.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">siehe Karte<\/a>) kann grunds\u00e4tzlich jeder Betreiber Windkraftanlagen errichten. Die einzige M\u00f6glichkeit der Einflussnahme der Gemeinde sind Ma\u00dfnahmen im Rahmen der Bauleitplanung, die sich allerdings dem Regionalen Raumordnungsplan unterordnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Vorranggebiete wurden in langwierigen Verfahren durch das Regierungspr\u00e4sidium erarbeitet und von der Regionalversammlung beschlossen. Der Regionalplan Mittelhessen 2001 war der erste, der solche Gebiete auswies. Das weckte die Hoffnung, angrenzend an den Windpark Ernsthausen (1998!) im Gebiet der Gemarkung Wollmar Windr\u00e4der errichten zu k\u00f6nnen. Im Regionalplan 2010 wurde das Gebiet best\u00e4tigt. Die daraufhin eingereichten Planungen wurden dann allerdings aus naturschutzrechtlichen Gr\u00fcnden nicht genehmigt (in Ernsthausen gingen 4 weitere Windr\u00e4der 2011 ans Netz). Dann kam die Wende &#8211; in den Entw\u00fcrfen zu einem Teilregionalplan Energie ab 2012 wurden f\u00fcr M\u00fcnchhausen 3 neue Vorranggebiete ausgewiesen: 3101 Oberasphe, 3102 westlich Niederasphe, 3103 in der Mitte der Gro\u00dfgemeinde. Das Gebiet in Wollmar wurde nicht mehr aufgenommen. Die Stellungnahme der Gemeindevertretung im September 2012 forderte die Wiederaufnahme des Gebietes bei Wollmar, stimmte aber den 3 neuen Gebieten mehrheitlich zu und forderte nur eine Reihenfolge der Bebauung: erst 3101, dann 3102 und zuletzt 3103. Ein \u00c4nderungsantrag der UGL, das Gebiet 3103 aus der Liste zu streichen, fand keine Mehrheit. Weitere in den Offenlegungsverfahren eingebrachte Einspr\u00fcche aus M\u00fcnchhausen wurden im Wesentlichen nicht ber\u00fccksichtigt, so dass mit Beschluss der Regionalversammlung Mittelhessen Ende 2016 drei Vorranggebiete f\u00fcr die Errichtung von Windkraftanlagen ausgewiesen worden sind.<\/p>\n<p>Die UGL hat sich bisher immer daf\u00fcr stark gemacht, dass nur eines der Vorranggebiete genutzt wird. Gew\u00fcnscht war die Realisierung von Windkraftanlagen im Vorranggebiet Oberasphe (3101). Jedoch zeichnete sich hier keine M\u00f6glichkeit der Realisierung ab. Das Gebiet westlich Niederasphe (3102) wurde im Interesse der Niederaspher B\u00fcrger ausgeschlossen. Damit verblieb nur das Gebiet in der Mitte der Gro\u00dfgemeinde (3103). Das ist die derzeit g\u00fcltige Beschlusslage der Gemeindevertretung, der alle Ortsbeir\u00e4te \u2013 auch der aus Niederasphe \u2013 zugestimmt haben. Weiter hat die Gemeindevertretung im April 2014 einstimmig den Planungsauftrag an die Fa. Krug vergeben, mit der Auflage das Gebiet als Poolmodell zu entwickeln, so dass alle Eigent\u00fcmer dabei profitieren.<\/p>\n<p>Die laufenden Planungen, die 2016 in einer B\u00fcrgerversammlung vorgestellt wurden, konnten nicht fortgef\u00fchrt werden, da sich das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) zum 1.1.2017 gravierend ge\u00e4ndert hat. Die F\u00f6rderh\u00f6he wird \u00fcber Ausschreibungen festgesetzt: wer am wenigsten F\u00f6rderung haben will, bekommt den Zuschlag f\u00fcr den Windradbau \u2013 der Standort spielt zun\u00e4chst keine Rolle. Dies f\u00fchrte dazu, dass sich geplante Projekte insbesondere f\u00fcr regionale Anbieter nicht mehr rechnen. Letztlich k\u00f6nnen nur h\u00f6here Windkraftanlagen mit h\u00f6herer Stromausbeute die Wirtschaftlichkeit wieder herstellen. Dazu kommt, dass die gro\u00dfen Energiekonzerne versuchen, das Gesch\u00e4ft unter ihre Kontrolle zu bekommen.<\/p>\n<p>Die aktuell von der Fa. Krug geplanten Anlagen mit einer Turmh\u00f6he von 169 m sind deutlich h\u00f6her als die in Ernsthausen mit einer Turmh\u00f6he von 105 m. Einen Einfluss darauf hat die Gemeinde nicht, da das \u00fcbergeordnete Baurecht gilt. Auch die UGL tut sich durchaus schwer mit dieser Tatsache \u2013 jedoch haben wir der Entwicklung, die entgegen der urspr\u00fcnglichen Priorit\u00e4tenliste verlaufen ist, zugestimmt, denn wir m\u00fcssen unseren Beitrag zur Energiewende leisten. Die Entwicklung war so nicht absehbar. Zu hoffen ist, dass die fortgeschrittene Technologie neben h\u00f6herer Effizienz auch eine geringere L\u00e4rmbelastung bringt und u.a. die Blinklichter jetzt radargesteuert werden und nur noch bei Bedarf blinken.<\/p>\n<p>Ein Wort zu den Windkraftgegnern: wir sind gerne bereit, sachlich und auf wissenschaftlicher Basis zu diskutieren. Wie zu Beginn dieses Textes haben wir durchaus auch kritische Anmerkungen. Jedoch verbietet es sich, mit verschw\u00f6rungstheoretischen, pseudowissenschaftlichen, Angst verbreitenden Argumenten die B\u00fcrger zu verunsichern und Keile in die Bev\u00f6lkerung zu treiben.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Weitgehend unumstritten sind in M\u00fcnchhausen die beiden Photovoltaik-Parks in Niederasphe und Oberasphe. Allerdings sollte auch hier darauf hingewiesen werden, dass es noch v\u00f6llig offen ist, wie ggf. die Entsorgung, Verwertung und der R\u00fcckbau funktioniert.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/ugl-muenchhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Zur-aktuellen-Diskussion-\u00fcber-Windkraft-in-M\u00fcnchhausen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieser Text steht auch zum Download bereit<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Windkraftanlagen sind immer dann ein Thema, wenn sie \u201evor der Haust\u00fcr\u201c im engeren Umfeld errichtet werden sollen. 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