{"id":936,"date":"2022-10-10T01:40:29","date_gmt":"2022-10-09T23:40:29","guid":{"rendered":"https:\/\/ugl-muenchhausen.de\/?p=936"},"modified":"2023-06-01T04:48:36","modified_gmt":"2023-06-01T02:48:36","slug":"energiewende-ein-kommentar-von-rainer-ulbrich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ugl-muenchhausen.de\/?p=936","title":{"rendered":"Energiewende &#8211; ein Kommentar von Rainer Ulbrich"},"content":{"rendered":"\n<p>\u2026 mal wieder! Der Begriff \u201eEnergiewende\u201c stammt aus dem Jahr 1980 (!) und war der Titel eines Buches des \u00d6ko-Instituts Freiburg: \u201eEnergiewende \u2013 Wachstum und Wohlstand ohne Erd\u00f6l und Uran\u201c. Immer wenn es Krisen gab, erlangte das Thema Interesse der Politik und der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vorrangig wurde aber erst einmal nur die Kernenergie betrachtet. Der Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 f\u00f6rderte erste zaghafte Diskussionen \u2013 ohne einen Durchbruch zu bringen. Erst im Jahr 2000 kam durch die rot-gr\u00fcne Bundesregierung Fahrt in der Auseinandersetzung auf, nach dem mit den Versorgungsunternehmen der &#8222;Atomkonsens&#8220;  beschlossen wurde. Zwei Kernkraftwerke wurden abgeschaltet, f\u00fcr die anderen w\u00e4re ein Betrieb mit begrenzten Strommengen bis ca. 2020 m\u00f6glich gewesen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach zwischenzeitlicher Laufzeitverl\u00e4ngerung durch das Kabinett Merkel kam der Einschnitt nach dem Reaktorungl\u00fcck 2011 in Fukushima in Japan. Danach wurden schon im gleichen Jahr 8 Kernkraftwerke in Deutschland vom Netz genommen und der schon lange geforderte Atomausstieg schrittweise bis zum Jahr 2022 beschlossen.  Die Stromerzeugung aus alternativen Energien &#8211; haupts\u00e4chlich aus Windkraft und Photovoltaik \u2013 wurde als Ziel ausgerufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Vorsto\u00df, die Energiewende anzutreiben, resultiert aus der Diskussion, den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df auf der Erde zu reduzieren, um die Erderw\u00e4rmung zu stoppen. Dies wurde erstmals international auf der Pariser Klimakonferenz 2015 vereinbart. Hier geht es vornehmlich um die fossilen Energietr\u00e4ger Erd\u00f6l, Kohle und Erdgas. In diesen Prozess kam zun\u00e4chst eine Dynamik durch die verschiedenen Initiativen, wie zuletzt \u201eFridays For Future\u201c, die mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Demonstrationen und Aktionen mehr Tempo f\u00fcr die Energiewende einforderten.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt hat der Krieg in der Ukraine den Begriff in Presse und \u00d6ffentlichkeit wieder in den Blickpunkt ger\u00fcckt. Nur geht es jetzt nicht um Atomausstieg oder Klimaschutz, sondern um Geld und die Angst, auf einmal nicht gen\u00fcgend Kohle, Erd\u00f6l und Gas zu haben, um im kommenden Winter den Bedarf in Industrie, Gewerbe und privaten Haushalten decken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Energiewende so schnell nicht herbeizuf\u00fchren, so dass aktuelle Informationen \u00fcber die akuten L\u00f6sungen der Energieproblematik eher erschrecken:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Einkauf von Fl\u00fcssiggas, das z.B. in den USA durch Fracking gewonnen wird<\/li><li>Diskussion \u00fcber die Freigabe von Fracking in Deutschland (wurde 2012 schon einmal diskutiert)<\/li><li>Bohrungen nach Erd\u00f6l im Wattenmeer und im hessischen Ried<\/li><li>Steigerung des Kohleimports<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wenn man noch dazu aktuelle Umfragen in der Bev\u00f6lkerung sieht, bei denen inzwischen eine deutliche Mehrheit wieder f\u00fcr die Nutzung von Kernkraft ist und den Tankrabatt bef\u00fcrwortet, stellt sich die Frage: <strong>Was ist in den letzten 50 Jahren schiefgelaufen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1972 wurde ein Bericht des \u201eClub of Rome\u201c, einer Vereinigung internationaler Wissenschaftler, ver\u00f6ffentlicht: <em>Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. <\/em>Schon damals wurde auf die Endlichkeit der fossilen Rohstoffe, die Sch\u00e4dlichkeit der Treibhausgase f\u00fcr das Klima, auf Probleme bei der Ern\u00e4hrung der Weltbev\u00f6lkerung und auf dringend notwendige Forschung zu diesen Problematiken hingewiesen. Die Reaktionen darauf waren eher verhalten, ja wurden sogar als \u201eSchwarzmalerei\u201c bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00fchrt mich zu folgenden Thesen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Es fehlt ein Gesamtkonzept \u2013 es werden immer nur Einzelma\u00dfnahmen vorangetrieben, ohne die in einen Zusammenhang einzubinden.<\/li><li>Forschung, Entwicklung und Umsetzung werden durch Staat und Unternehmen nur dann mit ausreichend Geld finanziert, wenn absehbar ein positives Ergebnis zu erzielen ist, d.h. dass man damit Geld verdienen kann.<\/li><li>Genehmigungs- und Bezuschussungsverfahren dauern zu lange und sind sehr kompliziert \u2013 egal ob unternehmerisch oder privat.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Zu 1:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>In der gesamten Diskussion zur Energiewende wird die Komplexit\u00e4t der Zusammenh\u00e4nge der Ma\u00dfnahmen nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt.<ul><li>Strom f\u00fcr E-Autos, W\u00e4rmepumpen oder Wasserstoffgewinnung muss ausreichend verf\u00fcgbar sein \u2013 hierzu wird mehr Strom ben\u00f6tigt als bisher und eine Speicherung muss m\u00f6glich sein, die Sonne scheint nun einmal nur tags. D.h. die Speichertechnologien im Gro\u00dfen m\u00fcssen erarbeitet und realisiert werden. Die Speicherung im Privatbereich muss so kosteng\u00fcnstig sein, dass der Nutzer diese finanzieren kann.<\/li><\/ul><ul><li>Die Stromversorgung muss st\u00e4rker dezentralisiert werden \u2013 mit entsprechenden Technologien der Steuerung von Verbrauch und Speicherung.<\/li><\/ul><ul><li>Energiesparen beginnt im Kleinen: Vereinheitlichung von Ladeger\u00e4ten, Abschaltung der Ger\u00e4te bei Nichtgebrauch, Optimierung der Ger\u00e4te im Standby.<\/li><\/ul><ul><li>Eine deutliche Erh\u00f6hung des Stromverbrauchs ben\u00f6tigt eine leistungsf\u00e4higere Leitungsinfrastruktur.<\/li><\/ul><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zu 2:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Kernfusionsforschung, die auch schon seit den 1970er Jahren versucht, Energiegewinnung wie auf der Sonne zustande zu bringen, ist eine teure Forschung, da aufw\u00e4ndige Anlagen ben\u00f6tigt werden. Die Forschungsgelder der meist internationalen Einrichtungen sind begrenzt, so dass es nur sehr langsame Fortschritte gibt.<\/li><li>Die Energiegewinnung durch Photovoltaik und Wind ist bekannterweise nicht konstant. D.h. bei \u00dcberproduktion m\u00fcssen die Windkraftanlagen abgeschaltet werden, bei Stillstand m\u00fcssen Kraftwerke mit fossilen Energietr\u00e4gern zugeschaltet werden. Es fehlt also an Speichertechnologien. In Deutschland gibt es aktuell nur 26 Pumpspeicherkraftwerke, deren Kapazit\u00e4t nicht ausreicht, um den Energiebedarf f\u00fcr Deutschland zu puffern. Obwohl eine Erweiterung technisch m\u00f6glich w\u00e4re, betonen die Betreiber, dass das nicht wirtschaftlich realisierbar sei (siehe auch zu 1:).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zu 3:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Nat\u00fcrlich darf es keinen Freifahrtschein f\u00fcr den Bau von Anlagen f\u00fcr erneuerbare Energien oder Speicher geben. Doch sollte trotz Schutz von Menschen, Tieren und Natur eine Vereinfachung der Verfahren realisierbar sein. Als erste Ma\u00dfnahme sollte eine personelle Aufstockung der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden Erfolg bringen.<\/li><li>Nicht zuletzt m\u00fcssen Investoren eine kalkulierbare Rendite erzielen k\u00f6nnen. Sonst w\u00fcrde nur eine Verstaatlichung der Energieversorgung helfen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 mal wieder! Der Begriff \u201eEnergiewende\u201c stammt aus dem Jahr 1980 (!) und war der Titel eines Buches des \u00d6ko-Instituts Freiburg: \u201eEnergiewende \u2013 Wachstum und Wohlstand ohne Erd\u00f6l und Uran\u201c. 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